|
++++++++++++++++++++++
Eintrag vom 14.12.2010
Eine
Weihnachtsgeschichte
Es war einmal
ein kleiner Baumwollfaden, der hatte Angst, dass es nicht ausreicht,
so, wie er war: "Für ein Schiffstau bin ich viel zu schwach", sagte
er sich, "und für einen Pullover zu kurz. An andere anzuknüpfen,
habe ich viel zu viele Hemmungen. Für eine Stickerei eigne ich mich
auch nicht, dazu bin ich zu blass und farblos. Ja, wenn ich aus
Lurex wäre, dann könnte ich eine Stola verzieren oder ein Kleid.
Aber so?! Was kann ich schon? Niemand braucht mich. Niemand mag mich
- und ich mich selbst am wenigsten."
So sprach der
kleine Baumwollfaden, legte traurige Musik auf und fühlte sich ganz
niedergeschlagen in seinem Selbstmitleid.
Da klopfte ein
Klümpchen Wachs an seine Tür und sagte: "Lass dich doch nicht so
hängen, du Baumwollfaden. Ich hab' da so eine Idee: Wir beide tun
uns zusammen. Für eine Osterkerze bist du zwar als Docht zu kurz und
ich hab' dafür nicht genug Wachs, aber für ein Teelicht reicht es
allemal. Es ist doch viel besser, ein kleines Licht anzuzünden, als
immer nur über die Dunkelheit zu jammern."
Da war der
kleine Baumwollfaden ganz glücklich, tat sich mit dem Klümpchen
Wachs zusammen und sagte: "Nun hat mein Dasein doch einen Sinn."
Und wer weiß,
vielleicht gibt es in der Welt noch mehr kurze Baumwollfäden und
Wachsklümpchen, die sich zusammentun könnten, um der Welt zu
leuchten?
++++++++++++++++++++++
Eintrag vom 10. 8. 2009
Alles
beginnt mit der Sehnsucht!
Y
++++++++++++++++++++++
Eintrag vom 11. 6. 2009
Die unter
dem Regenbogen
Die unter dem
Regenbogen
sammeln auch Steine.
Sie nageln Fragen an die Wand der Tage.
Sie fallen einsam in die Nacht
und falten im Dunkel die Seele.
Die unter dem Regenbogen
trinken auch Bitterwein.
Sie eggen Tränen vom Feld des Schmerzes.
Sie gleiten einsam in den Wind
und kämmen im Dämmer das Leid.
Doch sie wissen den Weg,
die unter dem Regenbogen.
Und in ihre Dunkelheit
stürzen bunte Träume.
Ingeborg Pacher
++++++++++++++++++++++
Eintrag vom 13. 5. 2009
Zwei Dinge verleihen der Seele am meisten Kraft:
Vertrauen auf die Wahrheit
und Vertrauen auf sich selbst.
++++++++++++++++++++++
Eintrag vom 20. 9. 2008:
... nochmals ein Beginn...
Nochmals ein Beginn. Wie
sooft in den letzten Jahren. Ich reiße den Ballast der alten Seiten
aus dem Buch und schreibe erneut den Anfang einer Geschichte, die so
scheint es, nur die Hälfte der Seiten bedarf, die ursprünglich
vorgesehen waren. Wie erleichternd.
Wie kostbar diese wenigen
zu beschreibenden Blätter plötzlich erscheinen. Jede Seite ein
Schatz, jedes Wort von besonderer Bedeutung.
Allmählich frage ich meine
Gedanken, welche Worte hier eine Erzählung bilden sollen, in welches
Thema einsteigen, wer ist der Protagonist, was zeichnet ihn aus?
Oder ist er im Grunde eine sie?
Es ist das Schicksal eines
Schreibers ohne sicheres Ziel einfach loszustarten, Vertrauen zu
haben, in das , was da kommen mag, ja kommen wird, abseits kritisch
beurteilender Anzweiflungen, die nur die Ängste des Versagen
schüren.
Das Schreiben ist Sache
eines Schreibers.
Heidi
Gassner |